Betta splendens Khonburi

Betta splendens Wildform „Khonburi“

Natürliche Schönheit aus Thailand

Kampffische der Gattung Betta splendens gehören wohl zu den beliebtesten Aquarienfischen in Deutschland. Kaum ein Aquaristikgeschäft, in dem nicht ein paar bunte Zuchtformen dieses Fisches herumschwimmen. Auch in Thailand, der Heimat unserer Betta splendens ist dies nicht anders. Dort gibt es die Hochzuchten auf fast jedem Markt, die wohl größte Auswahl auf dem Weekend-Markt in Bangkok.

Die Wildform von Betta splendens, also der Fisch, der in Thailand und den angrenzenden Ländern in flachen Gewässern zu finden ist, bekommt man aber nur in ausgewählten Fachgeschäften zu kaufen. Dies wohl auch wegen der natürlicheren Farben, die anders als bei den Hochzucht-Bettas etwas unscheinbarer ausfallen. Dies macht diesen Fisch aber nicht uninteressanter.

Von unserer letzten Thailandreise haben wir uns ein paar Betta splendens Wildfänge mitgebracht, die alle in Khonburi gefangen wurden, einem bis dahin noch unbekannten Fundort dieser Art. Das Biotop, in dem die Tiere fanden, war eine kleine, sumpfige Feuchtwiese mit einem Wasserstand von ca. 20 – 30 cm. Die Wasseroberfläche war vollständig zugewachsen und bot den Tieren so viele Versteckmöglichkeiten. Deswegen konnten wir auch oft an einer Stelle gleich mehrere Tiere fangen. Den ausführlichen Bericht über das Biotop in Khonburi, die dort gefundenen Arten und die Herkunft der Tiere gibt es bei den Reiseberichten.

Betta splendens „Khonburi“ sind überwiegend rötlich gefärbt. Die Flossen leuchten rot und haben einen blauen Saum. Die Schwanzflosse ist wie bei Betta splendens üblich rotblau gestreift. Die Weibchen sind wesentlich weniger gefärbt, nur an Schwanz- und Afterflosse findet man ein paar Farbtupfer. Durch ihre geringere Größe und die kleinere Afterflosse sind sie recht einfach zu unterscheiden.

Betta splendens

Erfreulicherweise sind die Tiere sehr widerstandsfähig und überstanden sowohl den Transport nach Deutschland als auch die Eingewöhnung an Aquarienwasser. Wie nicht anders bei Wildfängen zu erwarten waren die Fische am Anfang sehr scheu. Sie meiden noch immer zu hell beleuchtete Stellen. Wie in ihrem natürlichen Biotop gewöhnt benötigen sie viele Schwimmpflanzen, ohne die sie sich nicht sicher fühlen. Es dauerte einige Wochen bis die Kampffische zutraulicher wurden und mir auch ein paar scharfe Fotos gelangen.

In ihrem Heimatbiotop fanden wir die Bettas in sehr hartem und kühlem Wasser. Inzwischen wurden die Tiere aber an Temperaturen und Wasserhärten gewöhnt, die denen von Betta splendens eher nahe kommen. Die Werte in den Aquarien schwanken zwischen KH 4-5 und PH 7,0 – 7,5. Das Wasser wird wie immer mit Seemandelbaumblättern sowie etwas Laub und Erlenzapfen angereichert. Die Temperatur liegt bei im Bereich von 25 – 27° C.

In einem durch eine Trennwand geteilten 60 cm Becken wurde ein Paar zur Zucht angesetzt. Wir hatten erst 2 Weibchen mit einem Männchen in diesem Becken doch führte dies zu recht rabiaten Kämpfen zwischen den beiden Weibchen die sich offensichtlich um das eine Männchen stritten. Dieses übrigens hielt sich völlig aus den Streitereien raus und wartete nur darauf, wer als Siegerin aus diesem Zweikampf hervorgeht. Obwohl beide Weibchen die bei Bettas üblichen Laichstreifen und eine braune Farbe zeigten, paarte sich das Männchen auch nur mit dem dominanten Weibchen.

Laichbereites Betta splendens

Noch vor dem Schlüpfen der ersten Jungen wurden die Weibchen entfernt. Das Männchen verblieb noch ein paar Tage im Becken, damit es sich um die nur Millimeter großen Larven kümmern konnte. So achtete das Männchen darauf, dass die Jungen im Schaumnest bleiben bzw. sammelte die Larven später auch ab und zu ein.

Das Schaumnest mit Eiern der zweiten und dritten Paarung wurde kurz vor dem Schlupf der Fischlarven mittels einer flachen Schale abgeschöpft und ins Zuchtbecken gegeben. Da die Schaumnester von Betta splendens „Khonburi“ sehr kompakt sind, bekam man das Nest fast ohne Verluste aus dem Becken heraus. Das Männchen fand dies allerdings nicht besonders lustig. Es versuchte sein Nest vehement zu verteidigen. Selbst mein Finger, der der Aquarienscheibe zu nahe kam, wurde attackiert. Das Nest der 4. Paarung wurde nicht mehr entfernt. Da sowohl Männchen als auch Weibchen im Becken verblieben, überlebten nur 1-2 Tiere, die sich im Javamoos verstecken konnten. Seitdem konnte ich kein Schaumnest mehr entdecken.

Schaumnest von Betta splendens
Frisch geschlüpfte Larven

Nach dem Schlupf wurde sofort mit Infusorien, Preis Microplan und Essigälchen gefüttert. Nach einiger Zeit konnten auch frisch geschlüpfte Artemia, Mikrowürmer und Grindal gefüttert werden.

Trotz dieser recht nährstoffreichen Nahrung wachsen die Jungfische aber deutlich langsamer als z. B. Betta picta-Jungfische. Die Jungfische von Betta sp. Mahachai, die nur wenig älter sind, überragen die Betta splendens Khonburi um einiges an Größe. Vielleicht ist dies mit dem Nahrungsmangel im Ursprungsbiotop zu erklären. Dort lebten die Tiere sehr dicht beisammen.

Leider brachten alle Paare eine hohe Anzahl an sogenannten Bauchrutschern hervor. Dies sind Nachkommen, die Fehlverhalten oder Missbildungen aufweisen. Ein Großteil der Jungen blieb dazu auch noch recht klein. Offensichtlich ist die Population im Ursprungsbiotop durch das Trockenlegen von Feuchtwiesen und Tümpeln und die damit verbundene Isolierung der Biotope durch Inzucht schon so stark geschädigt, dass sie keine gesunden Jungen mehr hervorbringen kann. Nur eine Handvoll Tiere wiesen keine Mängel auf. Damit dürfte aber auch klar sein, dass Betta splendens “Khonburi” zumindest in dem von mir gefundenen Biotop keine Überlebenschance haben sofern nicht gesunde Tiere mit frischem Blut in diesen - nach meiner Kenntnis - abgeschlossenen Tümpel gelangen.

[Home] [Aquarien] [Fische] [Betta picta] [Betta sp. Mahachai] [Fotos Betta Mahachai] [B. splendens Khonburi] [Zuchtformen] [Bärblinge] [Wirbellose] [Reise] [Tipps] [IGL-Termine] [Links] [Kontakt / Impressum] [Sitemap]

Listinus Toplisten

 

aquaristic.net - Aquaristik, Terraristik, Teich

Kontakt: webmaster@labyrinthfische.de, Copyright by Sven Müller

letzte Aktualisierung: 07.05.2005