Betta sp. Mahachai

Neue Kampffischart aus Zentralthailand?

Vor ein paar Jahren fand man in einem Biotop in Thailand einen Kampffisch, den man so noch nicht angetroffen hat. Seitdem gibt es einige Theorien, was dies für ein Fisch ist und wie man ihn einordnen soll. Die einen halten Ihn für eine Form von Betta smaragdina, jedoch fernab des ursprünglichen Verbreitungsgebietes und mit Unterschieden zur herkömmlichen Form des Smaragd-Kampffisches. Manch einer hält den nach seinem Fundort benannten Betta sp. Mahachai gar nur für eine wilde Kreuzung aus verschiedenen Arten des Betta splendens Formenkreises. Begründet wird dies mit der in Thailand gängigen Praxis verschiedene Kampffischformen untereinander zu kreuzen bzw. in verschiedene Biotope auszusetzen. Die Entdecker dieses interessanten und schönen Kampffisches wiederum hoffen eine neue Art entdeckt zu haben. Wie auch immer, Betta sp. Mahachai ist ein Fisch, der wohl auch in Deutschland immer mehr Liebhaber finden wird.

Die Tiere stammen aus dicht bewachsenen Gewässern in der Gegend von Mahachai, ein kleiner Ort südlich von Bangkok / Thailand. Der Wasserstand ist - wie bei vielen Labyrinthfischen allgemein üblich - nicht sehr hoch. Wegen der Nähe zu Ortschaften und Industrieanlagen schwimmt allerlei Schmutz im Wasser, z. T. sind die Fundorte auch sumpfig. Trotzdem findet man dort zwischen einer Palmart und Wasserpflanzen versteckt Betta sp. Mahachai. Ähnlich sah auch der Fundort von Betta splendens “Khonburi” aus, als wir dort einige Tiere fingen. Genauere Informationen gibt es - leider nur in englischer Sprache - auf der Seite von siamensis.org, einer thailändischen Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat Flora und Fauna Thailands kennen zu lernen und dieses Wissen zum Zwecke des Schutzes der thailändischen Natur an andere weiterzugeben. Auf der Seite findet man noch weitere interessante Artikel, die aber zum großen Teil nur in thailändisch niedergeschrieben wurden. Es lohnt sicher schon allein die Bilder anzuschauen.

Betta sp. Mahachai Männchen

Fundortbericht Betta sp. Mahachai - Teil 1

Fundortbericht Betta sp. Mahachai - Teil 2

Fundortbericht Betta sp. Mahachai - Teil 3

Betta sp. Mahachai Weibchen
Paarung bei Betta sp. Mahachai
Betta sp. Mahachai Weibchen 
beim Auflesen der Eier

Betta sp. Mahachai besitzt blaugrüne Glanzschuppen, je nach Beleuchtung mit mehr blauen oder grünen Anteilen. Schwanz- und Afterflosse sind zusätzlich in einem roten Ton gefärbt. Die Männchen werden etwa 6 cm lang. Die Weibchen sind etwas kleiner und nicht so intensiv gefärbt. Meine weiblichen Tiere besitzen nur ein paar wenige grüne Glanzschuppen. Wie auch bei anderen Vertretern der Betta-splendens- Gruppe ist es ratsam nur ein Männchen pro Becken zu halten. Mehrere Weibchen lassen sich durchaus zusammen pflegen. Zumindest bei meinen Tieren ist der Mann sehr friedlich zum Weibchen. Zwar gibt es genug Versteckmöglichkeiten, aber bisher konnte ich es noch nicht erleben, dass das Weibchen sich aus Angst vor dem Mahachai-Männchen zurückziehen musste. Ganz im Gegenteil, sobald das Weibchen in dem 60er-Artbecken in sein Sichtfeld kommt, präsentiert er seine schönsten Farben und versucht sie zum Schaumnest zu führen.

Ein Schaumnest finde ich übrigens ständig im Becken. Kurz vor dem Laichen wird das Nest noch einmal ausgebaut. Das Weibchen nimmt eine dunkle Färbung an, bekommt die auch bei anderen Betta-Arten üblichen Längsstreifen und die Laichpapille tritt hervor. Nur der Bauch ist etwas heller. Das Betta sp. Mahachai-Weibchen schaut sich nun auch öfters das Schaumnest an, ganz als wollte sie dessen Brauchbarkeit überprüfen. Der Mann imponiert dem Weibchen und versucht sie zum Schaumnest zu locken. Etwa einen Tag später kommt es dann zur Paarung. Das Männchen umschließt das Weibchen unterhalb des Schaumnestes. Anfänglich handelt es sich nur um Scheinpaarungen, erst später kann man beobachten wie die Eier nach unten fallen. Nach ein paar Sekunden löst sich das Männchen, um den herunterfallenden Laich aufzulesen. Das Weibchen schwimmt noch etwa 10-20 Sekunden wie tot an der Wasseroberfläche bevor es sich aus der Laichstarre lösen kann und dem Männchen hilft.

Nach ein paar Minuten schreiten die beiden zum nächsten Paarungsakt. Pro Laichakt werden - nach meinen Schätzungen - um die 3-10 Eier ins Nest gebracht. Dabei zeigen die beiden eine ungewöhnliche Kondition. Bis das Nest mit Eiern voll ist kann gut ein ganzer Tag vergehen, an dem sich die Tiere abgesehen von kurzen Unterbrechungen mehrmals paaren. Mehr Bilder von der Paarung gibt es in der Fotogalerie.

Für Leute mit schneller Internetverbindung gibt es unter nebenstehenden Links ein kurzes Video von der Paarung meiner Betta sp. Mahachai. Die Datei ist im avi-Format, ca. 11 MB groß und lässt sich mit Windows Mediaplayer abspielen. Alternativ kann das selbe Dokument mit einem MPEG4-Player (z. B. Quicktime) angeschaut werden. Die Datei ist dann nur nur noch 2,1 Mb groß, hat aber eine schlechtere Qualität.

Windows Media Player Video Mahachai

Mahachai-Video avi-Film, 11 Mb

Mahachai-Video mpg4-Film, 2,1 Mb

Anschließend pflegt das Mahachai-Männchen das Schaumnest. Die meiste Zeit sitzt er unter dem Nest, sammelt herunterfallende Eier auf und bettet sie in einen Berg aus Schaumblasen. Nach etwa 2 Tagen schlüpfen die Jungen, die sich die ersten Tage nur im Nest hängend aufhalten. Die Larven sind mit etwa 2 mm winzig und nur bei genauerem Hinsehen zu entdecken. Auch jetzt noch bewacht das Männchen seine Jungen, sammelt sie ab und zu ein und bringt Ausreißer zurück ins Schaumnest. Erst nach 2-3 Tagen - vermutlich, wenn der Dottersack verbraucht ist - schwimmen die Larven im Becken herum und suchen nach Nahrung

Larven im Schaumnest

Ich füttere die Mahachai-Jungen mit Preis Microplan, einem Aufzucht- und Vitaminpräparat sowie Infusorien und Essigälchen. Etwa nach einer Woche können dann auch Artemia-Nauplien aufgenommen werden. Später wird mit einem Mix aus Mikrowürmern und Artemia gefüttert. Die Jungen sind wesentlich kleiner und wachsen m. E. langsamer als Jungfische von Betta picta. Dies liegt wohl auch daran, dass Betta picta seine Larven die ersten beiden Lebenswochen in seinem schützenden Maul behält und die Jungfische erst mit einer Größe von 3-4 mm entlassen werden. Diese sind dann sofort in der Lage Artemias zu fressen.

Den ersten Wurf habe ich im Becken belassen, um zu sehen wie sich die Eltern um die Jungfische kümmern. Sowohl Mahachai-Weibchen als auch das Männchen pflegen ihre Jungen und stellen ihnen nicht nach. Sollte es jedoch zu einer zweiten Paarung kommen und erneut Jungfische im Becken schlüpfen, werden diese von ihren nur unwesentlich größeren Geschwistern des ersten Wurfs gefressen. Deswegen wurde das dritte Schaumnest kurz vor dem Schlüpfen der Betta sp. Mahachai-Larven mittels einer kleinen Schale abgeschöpft und in ein 5l-Zuchtbecken gebracht. Hier versuche ich die Jungen ohne die Pflege der Eltern großzuziehen.

Betta sp. Mahachai Jungfisch

Die Wasserwerte im Becken liegen bei ca. KH 3, GH 4 und PH leicht unter 7. Mittels Heizung wird die Wassertemperatur bei 26° C gehalten. Das Wechselwasser wird wie üblich mit Erlenzapfen und Torf angereichert und im Becken befindet sich ein Seemandelbaumblatt. Eine Haltung in leicht härterem Wasser ist aber durchaus möglich. Bei mir bekommen die Mahachai-Kampffische überwiegend Lebendfutter wie Artemia, weiße und schwarze Mückenlarven sowie Drosophila. Wenn dieses nicht vorhanden ist wird Frostfutter gegeben. Diese gehaltvolle Nahrung ist sicher auch ein Grund warum sich die Tiere fast jede Woche paaren.

Betta sp. Mahachai dürfte man nicht im Handel bekommen, dafür ist die Art noch zu unbekannt und selten. Jedoch gibt es in der IGL einige Halter dieses schönen Fisches. Meine ersten Mahachai-Jungfische sind bereits in abgabereifer Größe. Ich gebe gerne an Interessenten Nachzuchten dieser schönen Tiere ab. Ansonsten gibt es die Kampffische natürlich auf dem Weekend-Markt in Bangkok.

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letzte Aktualisierung: 11.11.2005