Wildfang

Eine Reise zu Betta splendens & Co. - Teil 1

Schon öfters war ich in Asien und konnte mir Biotope, in denen sich Labyrinther heimisch fühlen, anschauen. In Südostasien findet man diese recht anpassungsfähigen Fische in kleinen, verkrauteten Tümpeln mit nur ein paar Zentimetern Wasserstand oder auch in größeren Seen. Auf dieser Reise wollte ich es nicht nur beim anschauen der Biotope belassen, sondern herausfinden, was alles unter der Wasseroberfläche lebt. Vielleicht finden wir sogar ein paar Wildform-Bettas.

Für die Vorbereitung solch einer Reise gilt, den Kontakt zu Leuten zu suchen, die solch eine Reise schon einmal erfolgreich unternommen haben. In großen Organisationen wie der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische (IGL) gibt es einige Mitglieder, die schon mehrmals mit Kescher und Kamera im Gepäck auf die Suche nach denen in unseren Aquarium gepflegten Arten unterwegs waren.

Bei der Suche nach Biotopen, in denen dann auch Labyrinthfische leben, steht man vor einem nicht unwesentlichen Problem: Man bewegt sich in einem Land, dessen Sprache man z. T. nicht spricht, wo man sich nicht auskennt und wo einem nichts anderes übrig bleibt als erstmal irgendwo anzufangen zu suchen. Das kostet Zeit und wohl nicht nur die Nerven der nicht so fischbegeisterten Reisebegleitung. Hilfe von Einheimischen, ja auch von Kindern kann da sehr wertvoll und zeitsparend sein.

Zumindest in Thailand gehört es zu den Leidenschaften fast jedes Mannes fischen zu gehen. Natürlich mehr um sich eine schmackhafte Mahlzeit zu besorgen, als um Aquarienfische zu finden. Diese Leute wissen sehr genau, wo man welche Art finden kann. Ein Bildband mit Fotos der gesuchten Fische (z. B. aqualog “all labyrinths” oder Mergus “Fotoindex 1-5”) kann auch über Verständigungsschwierigkeiten hinweghelfen. Aus Mangel an Zeit unterhielt ich mich erst mit ein paar Leuten, bevor es dann losging.

Vorbereitung

Biotop Nr. 1

Zusammen mit meiner Familie in Thailand und deren weitläufiger Verwandtschaft geht es früh morgens los. Wie für Reisen mit Thais üblich besteht der erste Teil der Reise darin, den obligatorischen Pick-up mit Lebensmitteln zu füllen. Der unwissende Beobachter könnte meinen, dass man sich hier für eine mehrtägige Expedition ausrüstet und nicht für einen Tagesausflug. Da werden Kokosnüsse von den Palmen geholt, Reis gekocht und ein Zwischenstop in einer der zahlreichen Garküchen eingelegt. Normal ist auch, dass man auf dem Weg bei in der Nähe wohnenden Verwandten vorbeischaut und der eine oder andere zum fischen mitfährt. Endlich am See angekommen ist es bereits Mittag und nicht nur die Thais haben Hunger. Ein “kleiner Imbiss” kann da abhelfen.

Das erste Biotop ist ein großer, künstlicher See, der als Süßwasserspeicher angelegt wurde und ein kleines Tal überflutet. Er liegt in der Provinz Khorat, Bezirk Khonburi, Ban Maka (อำเภอครบุรี บ้านมะค่า). Da der See ein großes Gebiet überflutet hat, dürften die Bewohner der umliegenden Tümpel und kleinen Gewässer inzwischen in diesem See leben. Dies würde auch erklären, warum wir so viele verschiedene Arten finden konnten. Die Uferzone ist über weite Teile mit Schwimmpflanzen und Gras zugewachsen. Wo der See genau anfängt lässt sich nicht erkennen. Insbesondere finden wir große Teppiche aus wunderschönen, z. T. blühenden Wasserhyazinthen (Eichornia crassipes) und Schwimmender Wolfsmilch (Phyllanthus fluitans). Etwas weiter draußen können wir dann auch Roten Tigerlotus (Nymphaea lotus var. rubra) entdecken. Bereits von oben kann man Jungfischschwärme von Großen Speiseguramis (Osphromenus gorami) entdecken.

Labyrinthfische sind vor allem in zugewucherten Uferbereichen zu finden, in denen die Oberfläche zu 100 % bedeckt ist und der Wasserstand nur 10-30 cm beträgt. Mit einem normalen Kescher kommt man da nicht besonders weit. Die Thais benutzen zum Fischen in Uferregionen einen stabilen Bambuskorb mit dem man unter die Schwimmpflanzen geht und die dass hochhebt. Nach dem entfernen der Schwimmpflanzen im Korb findet man die darunter lebenden Tiere.

Wasserwerte

Biotop 1 “Ban Maka”

Biotop 2 “Khonburi”

Temperatur

30° C

24° C

Karbonathärte (KH)

0,5

9

Leitwert

70

800

PH-Wert

6,5

7,5

Nach ein paar Minuten haben wir zahlreiche Knurrende Guramis (Trichopsis vittata) und Zwergarnelen (Neocaridina sp.) in unserem Behälter. Die Trichopsis vittata finden wir in den unterschiedlichsten Größen, die ausgewachsenen Tiere leuchten metallisch grün. Interessanter noch sind die Garnelen, da wir neben durchsichtigen Tieren auch rote Garnelen finden. Die Tiere sehen ähnlich den bei uns erhältlichen Red Fire / Red Cherry (Neocaridina denticulata) aus, die es eigentlich dort gar nicht geben dürfte. Ursache für die rote Färbung der Garnelen könnte der hohe Anteil an Algen im Wasser sein. Insbesondere im Uferbereich war das Wasser leicht grün und bei genauer Beobachtung konnte man kleine Algenfasern schwimmen sehen.

Derweil hatten die Thais schon ein Netz ausgeworfen, mit dem sie ebenfalls im Uferbereich fischten. Hierfür wird ein kleiner Bereich der überwucherten Wasseroberfläche mit der selben Technik, die wir mit. unserem Korb anwandten abgeschöpft, die Wasserpflanzen entfernt und übrig blieben die Fische. Als besondere Delikatesse sind in diesem See große Schnecken anzutreffen. Wir finden Exemplare mit einem Durchmesser von bis zu 10 cm. Ich nehme mal an, dass es sich um eine Art Apfelschnecke handelt. Die größte Freude kommt jedoch jedes Mal auf, wenn wir einen Kiemenschlitzaal sehen. Leider konnte ich die Art nicht genau bestimmen.

Doch auch für uns interessante Fische finden wir nun. Ausgewachsene, ca. 15 cm große Blaue Fadenfische (Trichogaster t. trichopterus) mit einem roten Flossensaum zappeln im Netz, ebenso wie ein paar sehr junge Kampffische (Betta splendens). Leider finden wir nur Jungtiere, die wohl auch bedingt durch die Fangmethode, die darauf folgenden Tage nicht überstanden. Überrascht war ich von einen kleinen Kugelfisch, der sich wohl von den vielen Schnecken ernährte. Nach ein paar Stunden geht es zu einem zweiten Biotop.

Kontakt: webmaster@labyrinthfische.de, Copyright by Sven Müller

letzte Aktualisierung: 11.11.2005

 

 

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